Ortsteil der Bergstadt Scheibenberg / Erz
Oberscheibe
© 1998-2014 - Jens Ingo Kreißig

De Dorfschul in dr Scheib

Ah de “Post” genannt

Als Scheibenberg einen neuen Schuldirektor bekam, der den Nachmittagsunterricht einführte, beschloss die Gemeinde, eine eigene Schule zu bauen, weil sie ihre Kinder nachmittags zur Feldarbeit in der Landwirtschaft benötigten. Noch im Herbst 1876 begann man mit dem Kellerbau. Das Grundstück stellte der Erbrichter Fiedler, seinerzeit Gemeindevorsteher, zur Verfügung. Außerdem gewährte er aus seiner im Straßengraben vorbeiführenden privaten Wasserleitung einen Zulauf in Strohhalmstärke. Am 29.05.1877 erfolgte das Bauheben und die Einweihung des Schulgebäudes (Ortsl.-Nr27c) fand am 1.10.1877 statt.
An der Schuleinweihungsfeier haben unter anderem teilgenommen: Herr Amtshauptmann Dr.v. Bernewitz Annaberg Herr Schulrat Dr. Spieß Annaberg Herr Superintendent Dr. Schmidt Annaberg Herr Bezirksarzt Dr. Stiehler Annaberg Herr BrandversInsp. Steitmann Annaberg Herr Schuldirektor Schlegel Scheibenberg Herr Kantor Schiefer Scheibenberg Herr Lehrer Heyn und Oberscheibe Gemahlin
Dorfschule in den 60iger Jahren
Das Musikchor aus Scheibenberg spielte für 35,25M von vormittags 10 Uhr bis nachts 2 Uhr. Der Schulbau wurde vom Bauunternehmer Christian Altmann aus Crottendorf ausgeführt. Dabei leisteten die Einwohner durch Spenden (Holz, Steine, Transporte) und Mitarbeit entsprechende Hilfe. Die Gesamtkosten betrugen 8.318,48M und wurden durch ein Darlehn des landwirtschaftlichen Kreditverein Sachsen zu Dresden in Höhe von 7.000,-M und einer Beihilfe des Königlichen Staats Ministeriums zu Dresden in Höhe von 2.000,-M finanziell gedeckt.Für die Schulturmuhr wurden an den Uhrmacher G. Braun, Buchholz, 520,-M bezahlt. Die kleine Glocke wurde für 200,-M von der Firma Jul. Schneider & Co., Buchholz, käuflich erworben.
Uhrwerk zum Aufziehen
Die wöchentlich aufzuziehende Uhr trägt die Firmenaufschrift: Max Hahn Thurmuhrenfabrik Zwickau / Sachsen Inh. Patent N° 93531
Das Uhrwerk läuft heute noch einwandfrei, lediglich das Schlagwerk (alle ¼ und alle volle Stunde) wurde infolge der Witterungseinflüsse (Wasserschäden) außer Betrieb genommen. Bei der Sanierung der Dorfschule in den Jahren 2005/06 wurden die Turmuhr und das Schlagwerk überholt. So konnte man am 05.05. 2006 um 15:00 Uhr die Turmuhr wieder schlagen hören. 1879 gingen 9 Knaben und 11 Mädchen in die I. Klasse (1.-4. Schuljahr) und 13 Knaben und 8 Mädchen in die II. Klasse (5.-8. Schuljahr). Erster Lehrer war Emil Heyen, später Walter Richter, gebürtiger Zschopauer. Die Lehrerwohnung befand sich im ersten Stock des Schulgebäudes. Der Wäscheplatz wurde zugleich als Turngarten genutzt. Bei schlechtem Wetter diente der Hausflur als Turnraum. 1937 wurde vom Volksbildungsministerium angeordnet, dass die Kinder der 5 oberen Klassen nach Scheibenberg in die Schule zu gehen haben. Ein Streik der Eltern, ihre Kinder nicht nach Scheibenberg zu schicken, wurde mit polizeilicher Strafandrohung beantwortet. Lediglich die 3 unteren Klassen wurden vorerst noch in Oberscheibe beschult, bis Herr Lehrer Richter zum Kriegsdienst einberufen wurde. In den freigewordenen Schulzimmern wurde 1944 eine Wohnung eingebaut und gleichzeitig die Haustür von der Hof- zur Straßenseite versetzt. Ferner verlegte man die Wasserleitung vom Wassertrog (im Hof) bis ins Waschhaus. Bei Trockenperioden fiel oft der Zulauf aus, so dass die Mieter ab 1957 (Herbst) glücklich waren, als der Anschluss an das öffentliche Trinkwasserversorgungsnetz erfolgte.
Glocke im Turm
Während des 2.Weltkrieges wurde die Glocke befehlsgemäß abgeliefert und einge- schmolzen. Nach Kriegsende erhielt Oberscheibe über das Landeskirchenamt eine andere Glocke, die in Grumbach nicht mehr benötigt wurde, zum günstigen Preis von 60,- M angeboten. Diese Gelegenheit wurde genutzt, so dass das Läuten werktags (6°°, 12°° und 18°° Uhr) wieder eingeführt werden konnte. Leider musste das regelmäßige läuten nach ein paar Jahren eingestellt werden, weil der Dachstuhl sehr darunter litt (morsches Balkenwerk). Nur bei Todesfällen und am Silvester (24:00 Uhr) wurde der Glockenschlägel von Hand noch bedient (d.h. man musste in den Turm, ins Freie steigen und den Glockenschlegel von Hand hin und her schlagen).Nach der Instandsetzung und Stabilisierung des Dachstuhls 2006 kann man nun wieder die Glocke mittels Seil vom Dachboden aus läuten. (weitere Infos zum läuten unter "Kurt Endt" siehe unten)
Die übernommene Glocke trägt die Jahreszahl „1564“ sowie die folgende Inschrift: - VERBUM DOMNI MANET IN ETERNUM - GOTTES WORT PLEIWET EBIGLICHG (erst lateinisch, dann deutsch „….PLEIWET EBIGLICHG“ = bleibt ewiglich)
Seit 1956 musste der Schulkeller verankert und ein zweiter Stützpfeiler am Gebäude Nr.27c angebracht werden, da sich die Grundmauer gesenkt hatte und die südliche Hausfront abzurutschen drohte. Am 08.04. 1967 wurde der Turm von den Bürgern Frieder Loos, Werner Feustel und Dietmar Hofmann eingerüstet, vom Klempnermeister Kurt Köthe aus Scheibenberg mit Aluminiumblech eingefasst, Blitzschutzanlage durch Firma Ernst Schubert, Scheibenberg, erneuert (alte Wetterfahne war verwittert und musste abmontiert werden) und Schieferdach durch Dachdeckermeister Martius, Scheibenberg, umgedeckt. Nach dem Anstrich der Holzverkleidung durch Malermeister Fritz Wagner, Scheibenberg, wurde am 10.07. 1967 wieder abgerüstet. Die Schornsteinköpfe wurden drei Jahre später neu aufgemauert. Die Dorfschule ist seit 01.02.1985 als denkmalgeschütztes Gebäude vom Landkreis eingestuft und registriert worden. Es ist übrigens das einzige anerkannte Kulturdenkmal des Ortes.
1986 wurden die abgelaufenen schiefen Treppenstufen mit Terrazzoplatten versehen. Der Einbau wurde von Kurt Endt und Sohn Rüdiger ausgeführt.Nach der Wende 1992/93 wurde für 100.000,- DM die alte Dorfschule saniert, 90% der Kosten wurden vom Freistaat Sachsen getragen. Angeschafft wurden unter anderem, 2 neue Zifferblätter mit dem nun unverwechselbaren roten Zentrum. Die Zeiger, welche völlig verwittert waren, wurden nach einigen Versuchen durch die Oberscheiber Bürger Rüdiger Endt und Bürgermeister Wolfgang Kreißig neu hergestellt und anschließend vergoldet. Außerdem bekam die Dorfschule ein komplett neues Schieferdach und einen neuen Außenanstrich auch wurden die Blitzschutzanlage erneuert und verschieden Bleche wurden durch Kupferblech ersetzt. Nachdem die Baumaßnahmen abgeschlossen waren, thronte auch wieder eine Wetterfahne auf dem Turm der alten Dorfschule. Am 01.01. 1950 übernahm Frau Waltraude Endt geb. Hofmann in Ortslage Nr.6 (heute Fam. Kreißig) die Poststelle, die mit in der Wohnung untergebracht war. Seit 1954 befand sich die Poststelle einschließlich Lottoannahmestelle in der ehemaligen Dorfschule. Ab 1963 wurde ein neuzeitlich eingerichtetes Postdienstzimmer (mit Schalter) eröffnet. Als beste Poststelle im Wettbewerb des Kreises wurde Oberscheibe 1958/1959 mit einer Urkunde geehrt. Die Poststellenverwalterin war gleichzeitig Rentenzahlerin. 1954 waren mtl. Rund 2.200,-M an 30 Rentenempfänger (durchschnittlich 73,-M) auszuzahlen. 1955 konnten in 8 Monaten 8.500 Stück Losscheine in der Lottoannahmestelle (Poststelle) umgesetzt werden, das ist wöchentlich rund 1 Tippschein pro Einwohner von Oberscheibe. Ab dem 27.04. 1987 befand sich die Volksbibliothek im ehemaligen Schulgebäude 1. Stock, Ortsl.Nr.27c. Das Mobiliar fertigte der Tischlermeister Loos an. Die gemeinde stellte rd. 2.000,-M aus eigenen Mitteln (für Regale, Tisch, Gardinen, Fußbodenbelag) zur Verfügung. Anlässlich der Inbetriebnahme des neuen Büchereiraumes überbrachte die Kreisbibliothekarin die besten Wünsche und eine Einpflanzung. 1987 wurden 67 Leser verzeichnet bei 695 Entleihungen.

Modernisierung der alten Dorfschule 2005/2006

Die Meinungen der Bürger von Oberscheibe waren sehr unterschiedlich, so gingen die Meinungen vom Abriss, nur die Fassade erhalten bis hin zur aufwendigen Erhaltung der Dorfschule. Da das Dorfprogramm mit Fördergeldern unterstützt wurde, ist diese Sanierung so möglich gewesen, wenn auch der Eigenanteil aufgebracht werden musste. Im Januar 2005 begann der Bauhof Scheibenberg Zwischenwände, Türen, Toiletten und das Bad im Erdgeschoss zu demontieren um Baufreiheit zuschaffen. Seit Mai 2005 gingen die Handwerker in der alten Dorfschule ein und aus. Die komplette Innensanierung und die Sicherungsmaßnahmen des Gebäudes hatten begonnen. Es zeichnete sich aber ab, das sich die Dorfschule in einem sehr schlechten Zustand befand. Die Feuchtigkeit im Mauerwerk und dem Balkenwerk im Dach hat der Dorfschule extrem zugesetzt. Durch genauere Untersuchungen wurden erhebliche Mängel am Mauerwerk (Rissbildung) und Balkenwerk festgestellt (Pilz und Insektenbefall). Im Juni 2005 lagen dem Stadtrat entsprechende Gutachten der erdbaustatischen Berechnungen einschließlich Sicherungsvorschlag vom Planungsbüro Graupner GmbH Chemnitz und vom Sachverständigenbüro Holz- und Bautenschutz Andreas Grundler und Sohn aus Langenweißbach vor.
Folgende Arbeiten wurden bei der Sanierung durchgeführt: - Abwasseranbindung - Trockenlegung des Gebäudes - Sanierung des Kellers - Sanierung des Treppenhauses - erneuern der Fassade - Naturstein - Fassade - Dämmung des Spitzbodens - Holzschutz-Sanierung von Holzbauteilen - Erneuerung der Fenster und Außentüren - verschiedene Estricharbeiten - herrichten der Außenanlagen - Ausbau der kommunalen Räume - Ausbau der Wohnung
Die Wohnung im ersten Stock wurde den heutigen Standards angepasst, denn in der Wohnung war noch kein Bad und keine Zentralheizung vorhanden. Im Juli wird auf Wunsch der Bürgerschaft von Oberscheibe ein Spendenkonto eingerichtet - nach dem Motto "Für unsere alte Dorfschule im Ortsteil Oberscheibe" Den schönen Herbst 2005 konnten man beim Sanierungsprogramm der alten Dorfschule gut nutzen und gebrauchen. Die Risse, die sich quer durch das gesamte Mauerwerk befanden, wurden sehr aufwendig beseitigt. Der Erker wurde abgerissen und ein neuer wurde wieder neu angebaut. Nach einigen Schwierigkeiten geht der Innenausbau zügig voran. Die Wohnung im 1. Stock ist im September 2005 rohbaufertig. Diese abgeschlossene Wohnung besteht aus Wohnzimmer, Küche, Bad, Toilette, Schlafzimmer, Kinder- oder Arbeitszimmer und Flur. Aber immer wieder treten neue Überraschungen ans Tageslicht. Die Balken des alten Turmes der Dorfschule, wo die Glocke befestigt ist, waren zu erneuern. Die Gestänge für die Turmuhr laufen auch auf diesem Balkenwerk.
Es ist ein zusätzlicher Kostenaufwand, der in der Planung so nicht vorgesehen war. Zur Weihnachtszeit 2005/06 hat die Turmbeleuchtung den Dienst bereits wieder aufgenommen. Anfang 2006 kann sich jeder Oberscheibener, Scheibenberger und Gast vom Umbau der alten Dorfschule von innen und außen über das Geschaffene überzeugen und erfreuen. Im März steht die Übergabe der „Alten Dorfschule“ kurz bevor. Die Heizung läuft und aufgestellte Luftentfeuchter sollen noch die letzte Feuchtigkeit aus den Außenwänden ziehen. Beim Innenausbau wurde fast alles verändert, ob in der Wohnung, die sich im 1. Stock befindet als auch im Erdgeschoss mit einem großen Versammlungsraum, der für viele Zwecke in Zukunft genutzt werden kann. Bei der Übergabe kann sich ja jeder selbst überzeugen. Ende März wurde ein Mieter für die Wohnung gefunden und so wurde ab 1. Mai 2006 die alte Dorfschule wieder bewohnt.
Hier die Positionen von Fördergeldern, Ausgaben, geplante Eigenanteile und voraussichtlich benötigte Eigenanteile. Fördermittel 162.390,00€ darunter: für Beratungsleistung 2004 370,00€ Bauleistung 2005 115.252,00€ Bauleistung 2006 46.768,00€ Ausgaben bis 09.08.2005 33.571,62€ darunter: für Beratungsleistung 2004 2.523,70€ Planung, Bauleistung 2005 31.047,92€ Geplante Eigenanteile 50.000,00€ darunter für: 2004 10.000,00€ 2005 10.000,00€ 2006 20.000,00€ 2007 10.000,00€ Vorraussichtliche benötigte Eigenanteile 87.883,70€ darunter für : 2004 2.153,70€ 2005 40.448,00€ 2006 32.082,00€ 2007 13.000,00€ Das sind aus damaliger Sicht die Kosten für die Sanierung der Dorfschule bis zum Jahr 2006. Natürlich konnte keiner voraussagen, ob nicht weitere Kosten entstehen, schließlich ist dieses Gebäude 129 Jahre alt.

Übergabe der "Alten Dorfschule" 6. & 7. Mai 2006

Am 6. Mai 2006 konnte das neue Dorfgemeinschaftshaus seiner Bestimmung übergeben werden. Die Wiedereröffnung wurde im Rahmen einer kleinen Festlichkeit würdig gefeiert. Um 13.30 Uhr läutete Bürgermeister Wolfgang Andersky und Ortsvorsteher Werner Gruss sowie Zimmermann Ralf Kretzschmar unsere Dorfschulglocke. Für diese Glocke wurde die Aufhängung komplett erneuert. Jeder konnte sich vom morschen Balkenwerk an einem Muster selbst überzeugen. Schlug die Glocke in den letzten Jahren nur, wenn ein Bürger verstarb, war es dieses Mal ein freudiges Ereignis. So konnte seit über 40 Jahren am 05.05.2006 um 15.00 Uhr zum ersten Mal das Schlagwerk wieder in Betrieb genommen werden. Es schlägt alle Viertelstunde und zu jeder vollen Stunde. Für viele Oberscheiber war dies eine große Überraschung und Freude zugleich. Es war kein übliches Bauvorhaben, denn jeder weiß, wie viel Unvorhergesehenes bei der Sanierung eines alten Gebäudes auftreten kann. Und dies gab es zur Genüge. Herr Loos vom Amt ländlicher Neuordnung Oberlungwitz gab uns auch die Ehre und kam der Einladung gerne nach und überzeugte sich von dem Geschaffenen in Oberscheibe. Zum Gelingen dieser Festtage trugen viele bei. Die musikalische Unterhaltung übernahmen die Posaunenbläser der St. Johannes Kirche Scheibenberg, die Jagdhornbläser unter der Leitung von Siegfried Illing, der auch mit so mancher Episode die Gäste zum Lachen brachte. Fürs Tanzbein spielte am Sonnabend abends Jochen Geißler auf. Florian Josiger zeigte den Besuchern geschichtliches aus Oberscheibe und Scheibenberg. Der Stadt und Landfotograf Fromut Naumann unterhielt die Besucher in seiner gewohnten Art und Weise mit einem Lichtbildervortrag. Natürlich durften auch die Kleinsten nicht fehlen, der Kindergarten unterhielten die Gäste mit einem kleinen Programm. Eine kleine Andacht von Pfarrer Schmidt Brücken, welche wieder mit der Glocke eingeläutet wurde und die Lesung von Altbürgermeister Kurt Endt waren weitere zwei Höhepunkte. Schließlich bewohnte er knapp 50 Jahre die Wohnung im ersten Stock. Erfreulich für die Ortschaftsräte war, dass an allen Tagen der Gemeinschaftsraum brechend voll war und zusätzlich Sitzgelegenheiten benötigt wurden. Für das leibliche Wohl war wieder einmal die Feuerwehr Oberscheibe verantwortlich und sorgte dafür, dass keiner hungrig nach Hause gehen musste. Natürlich stillte auch ein einheimisches, gutes Fiedler-Bier den Durst. Viele Einwohner von Oberscheibe, die noch in diesen Räumen unterrichtet wurden, nahmen an den Feierlichkeiten teil und besichtigten alles genau, wurden doch alte Erinnerungen wieder wach. Bis auf wenige wollte keiner dieses Ereignis verpassen. Jetzt kann man sagen, unsere „Alte Dorfschule“ präsentiert sich in neuem Glanz und bleibt unseren Nachkommen erhalten. Von Jens Ingo Kreißig wurde seine neu bezogene Wohnung an beiden Tagen zur Besichtigung zur Verfügung gestellt. Viele Oberscheiber und Besucher nahmen diese Angebot wahr und besichtigten die neue Wohnung im ersten Stock der alten Dorfschule.

Kurt Endt - wohnte 50 Jahre in der Dorfschule (1954-2004)

Am 31. Dezember 2004, kurz vor 24.00 Uhr stieg unser Altbürgermeister Kurt Endt das letzte Mal zur „Dorfschulglocke“, um das neue Jahr mit dem Glockenklang zu begrüßen. Beim Silvesterläuten sind es 1.000 Handbewegungen zum Anschlagen des Glockenschlegels. Auch als letzte Ehre eines verstorbenen Bürgers von Oberscheibe läutete er immer 18.00 Uhr die Glocke. Gleichzeitig betreute Kurt Endt ca. 40 Jahre lang unsere Turmuhr. Sie musste wöchentlich einmal aufgezogen werden. 42 Umdrehungen sind dabei immer nötig gewesen, um das Gewicht hochzuziehen. Herr Kurt Endt rechnete es sich aus, dass er dies 87.360 Mal in den Jahren tat. Zur November-Ortschaftsratssitzung 2004 gab er den Ortschaftsräten bekannt, dass er aus gesundheitlichen Gründen und seines fortgeschrittenen Alters (81 Jahre), dieses aus Sicherheitsgründen nicht mehr durchführen kann. Mit Verständnis nahm der Ortschaftsrat dies zur Kenntnis, verbunden mit großer Dankbarkeit für die getane Arbeit in den letzten Jahrzehnten. Sollte es dies in Zukunft alles nicht mehr geben? Es wäre ein Stück Dorfgeschichte, was sterben würde. Für das Aufziehen der Turmuhr wurde Bauhofleiter Peter Weißflog eingewiesen. Die Ortschaftsräte waren nun gezwungen eine Lösung zu beraten, wie es mit dem Läuten weitergehen soll. In der heutigen Zeit wird es aber sehr schwierig sein, diese Tradition fortzusetzen, da alle Ortschaftsräte im Berufsleben stehen und teilweise im 3-Schicht-System arbeiten. Natürlich wurde diese alte Tradition nicht eingestellt. 2 Einwohner von Oberscheibe erklärten sich damals bereit, die Glocke bei den oben erwähnten Anlässen zu läuten. Mit der Modernisierung der Dorfschule, wurde die Glocke wieder mit einem Zugseil versehen. Dadurch ist das mühsame Einsteigen in den Turm nicht mehr nötig. Jetzt kann vom Dachboden aus, die Glocke geläutet werden. Kurt Endt zählte beim Silvesterläuten 1.000 Glockenschläge, welche er von Hand mittels Anschlagen des Glockenschlegels verrichtete. Mit dem Anbringen des Zugseiles an die Glocke, wurde das Läuten auf eine Zeitangabe umgestellt. So wird zu Silvester um 24:00 Uhr, 15min geläutet und so das neue Jahr begrüßt. Das entspricht ca. 1080 Glockenschlägen. Bei der letzten Ehre für die verstorbenen Bürger von Oberscheibe, wird 10min die Dorfschulglocke geläutet. Neu hinzugekommen ist das Läuten, wenn im Dorfgemeinschaftshaus ein Gottesdienst stattfindet. Die Ev.-Luth. St. - Johannis Kirchgemeinde Scheibenberg führt seit 2011, 2-mal im Jahr, Gottesdienste hier durch. Im November 2006 übernahm der damalige Bewohner der Dorfschule Jens Ingo Kreißig die ehrenvolle Aufgabe des Läutens. Doch drehen wir die Zeit einmal viel weiter zurück, da steht in einem Zeitungsartikel vom Freitag, dem 29. Mai 1931: „Oberscheibe. Hohes Alter. Frau Selma verw. Stoll, geb. Pöschel, die 20 Jahre lang die Schulreinigungsarbeiten ausführte und auch längere Zeit treu und gewissenhaft das Läuten der Schulglocke in der Dorfschule besorgt hat, feiert heute ihren 70. Geburtstag. Sie erfreut sich ob ihres biederen Wesens und ihrer Gewissenhaftigkeit der Achtung und Wertschätzung der Ortseinwohner.“ Wie Sie sehen, hat sich auch vor Jahrzehnten immer jemand bereit erklärt, Gewohntes weiter zu erhalten, und so sollte es auch in unserem Oberscheibe beibehalten werden.
Auszug aus dem Amtsbaltt
Anlehnung an den Artikel aus dem Amtsbaltt
Dorfschule in den 90iger Jahren